500% mehr Langeweile

Ich war vor der Premiere von 500 – Die Quiz-Arena gespannt, ob RTL die flotte Art der Kandidatenvorstellung des Originals übernehmen wird. Dort stellt der Moderator nur kurz die drei Fragen „Where is he from?“, „What does he do?“, „What makes him a genius?“ und beantwortet sie gleich selbst, bevor der Kandidat schon im Studio steht und es losgeht. Na gut, Frage 3 wäre bei manchem deutschen Kandidaten vielleicht nicht so leicht beantwortbar gewesen, trotzdem hätte RTL nicht gleich seiner Obsession für Einspielfilme nachgeben müssen. So ist es dann auch kein Wunder, dass die erste Frage erst fast 8 Minuten nach Beginn der Show gestellt wird, während in der ersten Folge der US-Show bereits nach dreieinhalb Minuten losgelegt wurde.

Auch sonst drosselt RTL etwas das Tempo. Statt eines dynamischen Moderators wie im Original, der neben den Kandidaten steht und eine Frage nach der anderen raushaut, sitzt hier Günther Jauch als Quizonkel gemütlich auf seinem Stuhl und wird zwischen Kandidat und Herausforderer hin- und hergefahren. 500 – Die Quiz-Arena wirkt insgesamt ein bisschen wie 500 Questions auf Valium. Von dessen gelungenem Sound Design, das für die passende Atmosphäre sorgt, ist in der deutschen Ausgabe leider auch nichts zu hören.

Ich habe die Show gestern jedenfalls als sehr viel langatmiger als das Original wahrgenommen und wollte daher nachprüfen, ob und wie sich die Fragendichte unterscheidet. Als Vergleichsobjekt diente dazu die erste Folge der zweiten Staffel von 500 Questions, die fast die gleichen Regeln hat und genauso lang ist wie die Show gestern.
Das erste Ergebnis war ein wenig überraschend: die Fragendichte der deutschen Ausgabe ist mit 61,9 Fragen pro Stunde nahezu identisch mit der US-Show mit 63,2 Fragen pro Stunde. Wieso kommt die Quiz-Arena dann so langatmig daher? Weil die Fragendichte im Großteil der Show tatsächlich geringer ist, als im Original. Das Ergebnis wurde nämlich durch die schnellen Temporunden verzerrt. In der US-Version gibt es nur eine Temporunde am Ende einer Spielrunde, sie sind also weniger häufig. Während in der deutschen Ausgabe insgesamt 3 Temporunden komplett gespielt wurden, war das in der verglichenen US-Folge nur einmal der Fall. Rechnet man die Temporunden heraus, ergibt sich schon ein anderes Bild: mit 46,1 Fragen pro Stunde ist die Fragendichte von 500 – Die Quiz-Arena weitaus geringer als bei 500 Questions mit 54,7 Fragen pro Stunde. Zusammen mit einer strafferen und besseren Inszenierung, dem Sound Design und dem Eventcharakter entwickelt 500 Questions so ein höheres Tempo und mehr Spannung.

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